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GÖTTERTEILCHEN

Ausstellung & Installation

Ilka Meyer

„Götterteilchen“, so lautet der Titel der Ausstellung und der gleichnamigen raumgreifenden Installation aus collageartig zusammengesetzten Schwarz-Weiß-Kopien von Ilka Meyer. Götterteilchen (manchmal auch: „Gottesteilchen“) ist der Spitzname für kleinste Teilchen namens Higgs-Boson, die 2012 im Teilchenbeschleuniger in Cern (Schweiz) erstmals nachgewiesen wurden. Die Götterteilchen sind für nichts weniger verantwortlich, als der Materie Masse zu verleihen – durch Verlangsamen ihrer Geschwindigkeit und Gruppierung.

Ilka Meyer, Astkonstruktion, Fotografie, 2019

Ausgangsmaterial der Installation von Ilka Meyer in der Galerie ist eine instabil wirkende Turmkonstruktion aus flechtenbewachsenen Ästen. Sie sind gegen den Himmel aus der Froschperspektive fotografiert. Diese Abbildung kopierte und vergrößerte die Künstlerin immer wieder, so dass die Rasterpunkte als autonome Objekte auf den Kopien erscheinen.

Ilka Meyer, Götterteilchen, Kopierarbeit, 2020

Gerade noch lagen die manchmal halb maroden Äste unter den Bäumen auf der horizontalen Fläche am Boden, jetzt erhebt sich das Gebilde vor uns selbstbewusst als ein vertikales Gegenüber. In der Galerie stellt er sich auf den flattrigen, zusammengesetzten Kopien einerseits dem Betrachter in den Weg, andererseits löst die seltsame Konstruktion sich gleichsam in seine Rasterpunkte auf. Es ist ein Vexierspiel aus einem raumgreifenden Gegenüber und durchlässigem Rasternebel – ein Vexierspiel zwischen Weite und einer Behauptung in der Vertikalen: Der Raum gebiert die Dinge, diese geben ihm Sinn. Aber was, wenn dieser Sinn sich einer Kategorisierung des menschlichen Verstandes entzieht, wenn der Eindruck zu flüchtig ist? Was, wenn eine Selbstdefinition über ein spiegelbildliches Gegenüber also nicht mehr funktioniert? Wenn das Gegenüber den Betrachter sozusagen durch die Rasterpunkte durchlässt und er sich für einen nicht messbaren Augenblick innerhalb der Rasterpunkte zu befinden meint?

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